Studien

Thorsten Lang, Michael Grömling und Galina Kolev (2019): Produktivitätswachstum in Deutschland, Berlin: Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI), 2019
➞  Vor dem Hintergrund einer über viele Jahre nur mäßigen Produktivitätsentwicklung in der Industrie und bei den industrienahen Dienstleistern in Deutschland hat der BDI von der IW Consult untersuchen lassen, welche Ursachen hinter dem nachlassenden Produktivitätswachstum stehen und ob durch geeignete Maßnahmen das Produktivitätswachstum wieder angeregt werden kann. Aus den Ergebnissen werden Schlussfolgerungen für Unternehmen und Politik gezogen.

Orçun Kaya (2019): Deutsche Robo-Advisors. Schnelles Wachstum, solide Performance, hohe Kosten, Frankfurt am Main: Deutsche Bank Research, 21.02.2019

Stefan Böhme und Uwe Harten (2019): Die Bedeutung des Handwerks in Bayern. IAB-Regional. Berichte und Analysen aus dem Regionalen Forschungsnetz. IAB Bayern 01/2019, Nürnberg 2019
➞  Die Beschäftigung im Handwerk ist in den letzten Jahren in Deutschland und Bayern deutlich langsamer gewachsen als in der Gesamtwirtschaft. Jeder achte Beschäftigte war 2016 in einem Handwerksunternehmen tätig. Einen überdurchschnittlichen Beitrag zum Gesamtbeschäftigungswachstum im Handwerk leisteten insbesondere Unternehmen aus den Gewerbezweigen Gebäudereiniger, Maurer und Betonbauer, Elektrotechniker, Installateure und Heizungsbauer sowie Feinwerkmechaniker. Das Beschäftigungswachstum im Handwerk basiert nicht auf einer Zunahme der Zahl der Unternehmen, sondern vielmehr auf einem Wachstum in den bestehenden Unternehmen. Die Ausbildungsleistung der Handwerksbetriebe ist überdurchschnittlich. Allerdings ging die Zahl der Auszubildenden im Handwerk in den letzten Jahren stark zurück. Primäres Ziel dieser Arbeit ist eine Bestandsaufnahme der Situation und Entwicklung des handwerklichen Arbeits- und Ausbildungsmarktes in Bayern im Verhältnis zur Gesamtwirtschaft. Inwieweit Fachkräfteengpässe in einzelnen Handwerksberufen und Regionen ein stärkeres Beschäftigungswachstum verhindert haben, kann nicht beurteilt werden. Die Beschäftigungszuwächse über die große Mehrheit der beschäftigungsstärksten Gewerbezweige, in Verbindung mit den – im Verhältnis zum Nicht-Handwerk – überproportionalen Verlusten an Auszubildenden (oder allenfalls nur leichten Steigerungsraten in wachstumsstarken Gewerbezweigen) lassen aber zumindest regionale Fachkräfte- und Nachwuchsprobleme vermuten. Sollten diese zunehmen, könnte sich die Bedeutung des Handwerks als relevanter Beschäftigungsmotor in Zukunft weiter verringern.

Fritz Helmedag (2019): Industrielle Revolution(en): Transformationsprozesse des Kapitalismus, in: Wirtschaftsdienst, Heft 3/2019
➞  Angesichts der sich ausbreitenden Digitalisierung wird aktuell befürchtet, dass die damit verbundenen Prozessinnovationen sich überaus negativ auf die Beschäftigung auswirken könnten. Aus historischer Perspektive zeigt sich indes, dass mehr oder weniger disruptive Produktivitätssteigerungen zur Genese des historisch gesehen recht jungen Kapitalismus gehören. Demzufolge setzen Innovationen allein, so gravierend sie sein mögen, die zentralen Funktionsprinzipien der modernen Ökonomie nicht außer Kraft. Mit einer geeigneten Politik lässt sich im Übrigen ein drohender Stellenabbau infolge solcher Transformationsprozesse des in seiner Grundstruktur gleichbleibenden zeitgenössischen Wirtschaftssystems bekämpfen.

Deutsche Bank Research (2019): Politik, Macht und Populismus, Frankfurt am Main, Februar 2019
➞ Viele Investoren geben sich unpolitisch. Die jüngsten Marktturbulenzen haben jedoch einmal mehr gezeigt, wie sehr die Politik die Geschäfts- und Finanzwelt beeinflusst. Diese Ausgabe von Konzept enthält pointierte Analysen einiger drängender politischer Themen. Unter anderem werden der Handelskrieg zwischen China und den USA, die Präsidentschaftswahlen in den USA im kommenden Jahr, der Populismus in Europa, die Regulierung von Technologie und der Brexit behandelt. Wir untersuchen außerdem, wie die neusten Entwicklungen im Bereich der künstlichen Intelligenz und des maschinellen Lernens Investoren helfen, die Auswirkungen politischer Ereignisse auf die Märkte zu antizipieren.

IWH (2019): Vereintes Land – drei Jahrzehnte nach dem Mauerfall, Halle (Saale): Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH), 2019

Christina Lucha und Lisa Meinecke (2019): Alte Energiewelt – Neue Energiewelt. Trends und Akteure in einem zunehmend digitalen Energiesystem, Berlin: Heinrich-Böll-Stiftung, Februar 2019

Kerstin Bernoth et al. (2019): Happy Birthday? The Euro at 20. Politikberatung kompakt 134. Berlin: Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung (DIW), 2019

Gabriel Felbermayr (2019): Brexit: Eine »Hard-but-Smart«-Strategie und ihre Folgen. ifo Schnelldienst, Heft 4/2019
➞  Würde das Vereinigte Königreich (UK) im Falle eines harten Brexit wirklich die hohen EU-Außenzölle anwenden und aufwendige Warenkontrollen an den Grenzen durchführen? Die meisten Studien zu den wirtschaftlichen Effekten des Brexit gehen davon und kommen zu dem Ergebnis, dass der harte Brexit für das UK sehr viel teurer ist als für die EU. Aber eine solche Strategie wäre für London kaum rational und technisch vielleicht gar nicht machbar. Mit einer »Hard-but-Smart«-Strategie hingegen würde das UK unilateral auf alle neuen Barrieren verzichten. Dies verändert die Verhandlungssituation grundlegend. Mit »Hard-but-Smart« ist der prozentuale Wohlfahrtsverlust des UK und jener auf dem Kontinent nicht mehr substanziell unterschiedlich. Ein solcher Brexit würde die Briten nicht fundamental schlechter stellen als die EU selbst. Die Analyse legt nahe, dass sich die EU-Kommission nicht stur auf das für London unakzeptable Austrittsabkommen festlegen, sondern konstruktiv Alternativen ausarbeiten sollte.

Industriepolitik – ineffizienter staatlicher Eingriff oder zukunftsweisende Option?, in: Wirtschaftsdienst, Heft 2/2019
Beiträge von Hubertus Bardt, Christoph M. Schmidt, Peter Bofinger, Heike Belitz, Martin Gornig, Karl Aiginger
➞  Die Digitalisierung, die Energiewende und der Aufstieg Chinas zu einem wichtigen Konkurrenten stellen die Wirtschaftspolitik vor große Herausforderungen. Die Politik reagiert darauf mit Überlegungen, europäische Champions zu schaffen oder lenkend in die Wirtschaft einzugreifen. Eine horizontale Industriepolitik ohne spezifische Förderung einzelner Branchen halten viele Ökonomen für richtig. Direkte Interventionen können allerdings nicht nur in eine technologische Sackgasse führen, sondern auch dem Wettbewerb schaden. Aber sie sind in einer Wirtschaft, die von Netzwerkeffekten und Pfadabhängigkeiten dominiert wird, vor allem deshalb unabdingbar, weil Investitionen mit großer Unsicherheit über die Zukunft und hohen Risiken verbunden sind. Industriepolitik sollte letztlich das Ziel, mehr Wohlfahrt und Nachhaltigkeit für die gesamte Gesellschaft zu erreichen, in den Vordergrund stellen.

Roland Zieschank und Hans Diefenbacher (2019): Jahreswohlstandsbericht 2019 – Der Status Quo als Risikofaktor, Berlin: Fraktion Bündnis 90/Die Grünen im Deutschen Bundestag, Januar 2019

Sebastian Sperling und Jan Souverein (2019): Auf der anderen Seite ist das Gras viel grüner. Erste Lehren aus fünf Jahren legalem Cannabis in Uruguay, Berlin: Friedrich-Ebert-Stiftung, 2019
➞  Die Verbotspolitik ist gescheitert, Regulierungsmodelle für Cannabis müssen her. Uruguay leistet hier Pionierarbeit und die ersten Erfahrungen zeigen, dass Legalisierung das Gegenteil von Verharmlosung ist, wenn sie in Form verantwortungsvoller staatlicher Regulierung geschieht. Diese wird von den Konsumenten akzeptiert und gewinnt auch Mehrheiten, denn Legalisierung bedeutet keinen Dammbruch im Konsumverhalten, wie die Verbotsanhänger fürchten. Das Interesse an den uruguayischen Erfahrungen ist weltweit groß, obwohl belastbare Antworten auf viele Fragen nach wie vor schwierig sind. So fehlt es an umfassendem Monitoring, während gleichzeitig die Umsetzung stockt. Zwar hat Uruguay mit der Reform politischen Mut bewiesen, doch die notwendige Ausdauer scheint die Regierung gerade schuldig zu bleiben.n Auch in Deutschland wird der Ruf nach weiteren Modellversuchen lauter. Doch solange sich die internationalen Konventionen und Gesetzesrahmen nicht ändern, werden es alle Pionierländer weiterhin schwer haben. Die aktuellen Spielregeln behindern ihren Erfolg, wie sich ebenfalls am Beispiel Uruguays zeigt.

Luisa Kinzius, Alexander Sandkamp and Erdal Yalcin (2018): Trade Protection and the Role of Non-Tariff Barriers. CESifo Working Paper No. 7419, Munich: Munich Society for the Promotion of Economic Research ‐ CESifo, December 2018
➞  A growing share of modern trade policy instruments is shaped by non-tariff barriers (NTBs). Based on a structural gravity equation and the recently updated Global Trade Alert database, we empirically investigate the effect of NTBs on imports. Our analysis reveals that the implementation of NTBs reduces imports of affected products by up to 12%. Their trade dampening effect is thus comparable to that of trade defence instruments such as anti-dumping duties. It is smaller for exporters that have a free trade agreement with the importing country. Different types of NTBs affect trade to a different extent. Finally, we investigate the effect of behind-the-border measures, showing that they significantly lower the importer’s market access.

Nikolai Stähler (2019): How would a shift from taxing wages to taxing real estate affect the aggregate economy? Research Brief 24th edition, Frankfurt: Deutsche Bundesbank, January 2019
➞  Tax reform designed to improve the conditions for macroeconomic growth without weighing on government budgets has been the topic of recent debate in Europe. One proposal on the table suggests reducing taxes on wages whilst at the same time raising those on land and property. A new study uses a modern DSGE model to examine how, within this model framework, such a shift would impact on the aggregate economy and to what extent property owners and tenants would be affected.
➔ Nikolai Stähler (2019): Who benefits from using property taxes to finance a labor tax wedge reduction? Discussion Paper No 03/2019, Frankfurt: Deutsche Bundesbank, 2019
➔ Marcin Bielecki and Nikolai Stähler (2018): Labor tax reductions in Europe: the role of property taxation. Discussion Paper No 30/2018, Frankfurt: Deutsche Bundesbank, 2018

Sebastian Campagna und Marc Eulerich (2019): Mischkonzerne – ein Auslaufmodell? In der Zwickmühle zwischen Kapitalmarktmoden und digitaler Transformation. Mitbestimmungsreport Nr. 46, Düsseldorf: Institut für Mitbestimmung und Unternehmensführung (I.M.U.), Januar 2019

Karl-Peter Schackmann-Fallis und Mirko Weiß (2018): FinTechs – Marktwirkungen und Regulierungsbedarf, Berlin: Friedrich-Ebert-Stiftung, Dezember 2018

Oliver Brock (2018): Künstliche Intelligenz und Robotik. Begriffsdifferenzierung und Forschungsperspektiven. Analysen & Argumente Nr. 327, Berlin: Konrad-Adenauer-Stiftung, November 2018
➞  Das, was als künstliche Intelligenz bezeichnet wird, hat oft mit Intelligenz, wie wir sie von Lebewesen kennen, wenig zu tun und basiert lediglich auf der Fähigkeit, große Datenmengen schnell und effektiv zu verarbeiten. Diese Art der künstlichen Intelligenz sollte besser als Silicon Intelligence bezeichnet und von der künstlichen Intelligenz im engeren Sinne unterschieden werden. Letztere ist anspruchsvoll und zieht neuartige Forschungsansätze in KI und Robotik nach.

Karl-Peter Schackmann-Fallis und Mirko Weiß (2018): FinTechs – Marktwirkungen und Regulierungsbedarf, Berlin: Friedrich-Ebert-Stiftung, Dezember 2018

Oliver Brock (2018): Künstliche Intelligenz und Robotik. Begriffsdifferenzierung und Forschungsperspektiven. Analysen & Argumente Nr. 327, Berlin: Konrad-Adenauer-Stiftung, November 2018
➞  Das, was als künstliche Intelligenz bezeichnet wird, hat oft mit Intelligenz, wie wir sie von Lebewesen kennen, wenig zu tun und basiert lediglich auf der Fähigkeit, große Datenmengen schnell und effektiv zu verarbeiten. Diese Art der künstlichen Intelligenz sollte besser als Silicon Intelligence bezeichnet und von der künstlichen Intelligenz im engeren Sinne unterschieden werden. Letztere ist anspruchsvoll und zieht neuartige Forschungsansätze in KI und Robotik nach.

Helge Peukert unter Mitarbeit von Christian Rebhan (2018): Eine kritische Analyse an deutschen Hochschulen vorherrschender Einführungen in die Mikro- und Makroökonomie und plural-heterodoxe Alternativlehrbücher. FGW-Studie Neues ökonomisches Denken 09, Düsseldorf: Forschungsinstitut für gesellschaftliche Weiterentwicklung, Dezember 2018
➞  In dieser Studie werden vorherrschende mikro- und makroökonomische Lehrbücher an deutschen Hochschulen anhand der exemplarischen Beispiele der Einführungen Varians und Blanchard/Illings texthermeneutisch und nach vorheriger Entwicklung eines Kriterienkatalogs zum Mainstream und zur Heterodoxie untersucht. Mikroökonomische Lehrbücher folgen strikt dem neoklassischen Bausteinkasten, ergänzt durch ein ständiges Lob der unklar definierten ‚Konkurrenzwirtschaft‘. Im Bereich der Makroökonomie wird einzig der New Economic Consensus (IS-LM-Modell, Phillipskurve, ‚natürliche‘ Arbeitslosigkeit, die ‚lange Frist‘) in einer recht marktliberalen Variante als neue makroökonomische Synthese vorgestellt, ökologische, postkeynesianische, sozioökonomische u. a. Ansätze werden ausgeklammert. Nach wie vor gilt auch für den Finanzsektor mit leichten Einschränkungen die Effizienzmarkthypothese und den ‚unabhängigen‘ Zentralbanken wird in Kombination mit einer (fiskalpolitischen) Politikineffektivitätsthese eine neue Königsrolle zugewiesen. Es gibt eine ganze Reihe plural-heterodoxer Lehrbücher, die den vorherrschenden Kanon und andere Denkschulen vorstellen und den Studierenden die Bildung eigenständiger Urteile ermöglichen.

Gustav A. Horn und Sebastian Watzka (2018): Ist Frankreich ein Sanierungsfall oder Deutschland? IMK Policy Brief Nr. 10, Düsseldorf: Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK), 2018
➞  Der Policy Brief vergleicht die makroökonomischen Entwicklungen Frankreichs und Deutschlands seit Beginn der Währungsunion. Zwar wächst die französische Volkswirtschaft seit der Finanzmarktkrise schwächer als die deutsche, aber seit dem Beginn der Währungsunion sind die beiden Volkswirtschaften bis heute in etwa gleich stark gewachsen. Auch ein Vergleich der beiden Arbeitsmärkte liefert ein komplexeres Bild als gemeinhin angenommen: So hat Frankreich zwar eine deutlich höhere Arbeitslosenquote als Deutschland, aber das Arbeitsvolumen (gearbeitete Stunden) ist dort seit Beginn der Währungsunion stärker gestiegen als in Deutschland. Schließlich fällt auf, dass die inländische Nachfrage in Deutschland über lange Zeit bremsend auf das Wachstum wirkte, während sie in Frankreich eine bedeutende Rolle spielte. Dies änderte sich erst im jüngsten Aufschwung nach der Finanzkrise. Inzwischen ist auch dieser Aufschwung in Deutschland deutlich balancierter als zuvor. Aus gesamteuropäischer Sicht ist es nun von Bedeutung, dass die Arbeitsmarktreformen der Regierung Macron die Machtbalance auf dem französischen Arbeitsmarkt erhalten. In Deutschland sollte hingegen der eingeschlagene Weg expansiverer Fiskal- und Lohnpolitik konsequent fortgesetzt werden, um den Inflationspfad zurück auf die Ziellinie der EZB zu bringen.

Gustav A. Horn und Thomas Theobald (2018): 10 Jahre nach der Lehman-Insolvenz. Ist nach der Finanzkrise vor der Finanzkrise oder wie unterscheidet sich die Lage von damals zu heute? IMK Policy Brief Nr. 7, Düsseldorf: Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK), 2018
➞  10 Jahre nach dem Lehman Crash stellt sich die Frage, ob ein solcher Zusammenbruch zeitnah erneut stattfinden kann und wird. Dieser Frage wird anhand der Ergebnisse des IMK Finanzmarktstressindikators nachgegangen, der auf einer dynamischen Hauptkomponentenanalyse basiert. Im Rahmen der Analyse werden auf der Basis von Echtzeitdaten die Indikatorwerte für den Zeitraum unmittelbar vor Ausbruch der Krise rekonstruiert und mit den aktuellen Werten verglichen. Im Ergebnis zeigt sich, dass der Stress an den Finanzmärkten derzeit deutlich niedriger ist als in den Jahren 2007 und 2008. Dies spricht gegen die Behauptung, dass eine neue Krise unmittelbar bevor stünde. Allerdings ist der Zeithorizont des Indikators zu kurz, um Aussagen über die längere Frist zu machen. Es kann also auch vor dem Hintergrund dieser – kurzfristig beruhigenden – Ergebnisse nicht ausgeschlossen werden, dass es längerfristig wieder zu einer Finanzkrise kommt. Daher sollten die Regulierungsanstrengungen fortgesetzt und nicht wieder zurückgenommen werden.

Fritz W. Scharpf (2018): There Is an Alternative. A Two-Tier European Currency Community. MPIfG Discussion Paper 18/7, Köln: Max-Planck-Institut für Gesellschaftsforschung, 2018
➞  The performance of EMU member economies is shaped by different and structurally entrenched „growth models“ whose success depends on specific macro-regimes – restrictive for export-led growth, accommodating for demand-led growth. These two types of models cannot be equally viable under a uniform macro regime, and their divergence threatens the stability of the EMU. The present attempt to enforce structural convergence in the euro zone appears economically ineffective and lacks democratic legitimacy on the national and the European level. Assuming that complete integration in a democratic federal state is presently unattainable, the paper presents the outline of a more flexible European Currency Community that would include a smaller and more coherent EMU and the member states of a revised „Exchange Rate Mechanism II“ (ERM) whose currencies are flexibly linked to the euro. It would restore the external economic viability of autonomous domestic policy choices, and it would protect its members against speculative currency fluctuations.

Luca Argenta (2018): Italien auf Konfrontationskurs. Die Europapolitik der Regierung Conte, Rom: Friedrich-Ebert-Stiftung, Dezember 2018

Peter Koch (2018): Währung wider Willen. Die Debatte um den Franc-CFA, Berlin: Konrad-Adenauer-Stiftung, Dezember 2018
➞  Nicht erst nach seinem Rekordtief gegenüber dem Dollar im April 2018 und den in unregelmäßigen Abständen stattfindenden Protesten in den Metropolen West- und Zentralafrikas, steht die Gemeinschaftswährung Franc-CFA, die in 14 afrikanischen Ländern von rund 155 Millionen Einwohnern verwendet wird, im Mittelpunkt einer leidenschaftlich geführten Debatte. Zwei große Fragen werden dabei immer wieder gestellt: Ist der Franc-CFA Gewinn oder Hindernis für die Entwicklung der Mitglieder seiner Währungsgemeinschaft und sollte eine neue, „echte“ Gemeinschaftswährung geschaffen werden?

Aus Politik und Zeitgeschichte, Heft 49-50/2018: Müll
➞  Was die einen wegwerfen, ist für die anderen oft etwas wert. Dies gilt auch für die globalisierten Abfallströme: Unter anderem getrieben durch den seit den 1990er Jahren etablierten Recycling-Ansatz ist Müll zu einem weltweit gehandelten und begehrten Wirtschaftsgut geworden.

Anke Mönnig, Christian Schneemann, Enzo Weber, Gerd Zikaund Robert Helmrich (2018): Elektromobilität 2035. Effekte auf Wirtschaft und Erwerbstätigkeit durch die Elektrifizierung des Antriebsstrangs von Personenkraftwagen. IAB-Forschungsbericht, 08/2018, Nürnberg 2018
➞  Dieser Beitrag untersucht für Deutschland die Wachstums- und Beschäftigungseffekte einer Elektrifizierung des Antriebsstrangs bei Personenkraftwagen (Pkw). Unter Zuhilfenahme der Szenarientechnik wurde eine Reihe von Annahmen getroffen und diese in das Analyseinstrument QINFORGE integriert. Die Ergebnisse weisen, im Vergleich zum Basisszenario, zwar zunächst einen positiven Wachstums- und Beschäftigungseffekt aus, langfristig wird aber mit einem niedrigeren Bruttoinlandsprodukts- und Beschäftigungsniveau gerechnet werden müssen. Während anfangs insbesondere die notwendigen zusätzlichen Investitionen der Autobranche, die Bauinvestitionen in die Ladeinfrastruktur und die Neuausrüstung des Stromnetzes für positive Effekte sorgen, dominiert langfristig steigende Importbedarf an Elektroautos und Traktionsbatterien. Die Kosteneffekte wirken sich zwar mit Ausnahme der Weiterbildungskosten gesamtwirtschaftlich ebenfalls negativ aus, sind aber bei weitem nicht so dominierend. Auch federt der positive Effekt aus der Änderung des Kraftstoffbedarfes – Strom statt Mineralöl – die negativen Impulse ab. Die produktivitätsbedingten Wachstums- und Beschäftigungsimpulse, die auch erst in langer Frist zum Tragen kommen, federn zwar einerseits ebenfalls den größtenteils importinduzierten Rückgang der Wirtschaftsdynamik ab, tragen andererseits aber zu dem relativ starken gesamtwirtschaftlichen Arbeitsplatzverlust bei. Insgesamt sind die technologiegetriebenen Arbeitsplatzverluste als relativ stark zu bewerten. Im Jahr 2035 werden knapp 114.000 Plätze aufgrund der Umstellung auf den Elektroantrieb bei Pkws verloren gegangen sein. Die Gesamtwirtschaft wird bis 2035 einen Verlust in Höhe von 20 Mrd. EUR realisieren. Dies entspricht ca. 0,6 Prozent des preisbereinigten Bruttoinlandsproduktes.

Hubert René Schillinger (2018): Der digitale „Wilde Westen“ und die Handelspolitik. Handelspolitische Kontroversen um die Digitale Ökonomie, Berlin: Friedrich-Ebert-Stiftung, 2018

Bank of England (2018): EU withdrawal scenarios and monetary and financial stability. A response to the House of Commons Treasury Committee, London, November 2018

HM Government (2018) EU Exit: Long-term economic analysis. Presented to Parliament by the Prime Minister by Command of Her Majesty, London, November 2018

Gustav A. Horn und Thomas Theobald (2018): 10 Jahre nach der Lehman-Insolvenz. Ist nach der Finanzkrise vor der Finanzkrise oder wie unterscheidet sich die Lage von damals zu heute? IMK Policy Brief, September 2018, Düsseldorf: Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung, 2018
➞  Steht die Welt vor einer neuen Finanzmarktkrise? Dieser Frage wird anhand der Ergebnisse des IMK Finanzmarktstressindikators nachgegangen. Dabei werden auf der Basis von Echtzeitdaten die Indikatorwerte für den Zeitraum unmittelbar vor Ausbruch der Krise rekonstruiert und mit den aktuellen Werten verglichen.

Stefan Jestl, Sandra M. Leitner and Sebastian Leitner (2018): The Relative Impact of Different Forces of Globalisation on Wage Inequality: A Fresh Look at the EU Experience. Working Paper 154, Wien: Vienna Institute for International Economic Studies, November 2018
➞  This paper analyses the contribution of immigration, trade and FDI to wage inequality of native workers in a sample of old and new EU Member States between 2008 and 2013. Methodologically, we use the regression-based Shapley value decomposition approach of Shorrocks (2013) to filter out their relative importance. We find that globalisation has very mixed effects and generally contributes little to wage inequality. Regarding their relative contributions, immigration and FDI are key contributors to wage inequality in old EU Member States, while trade is the key source of wage inequality in new EU Member States. For immigration, the associated increase in wage inequality is strongest and most consistent among Southern EU Member States. We also show that immigration, trade and FDI have different effects across the wage distribution that are however strongest at its centre. For trade and FDI, we also find sporadic inequality-reducing effects that are strongest at the top of the wage distribution.

Dominic Ponattu, Andreas Sachs, Heidrun Weinelt und Alexander Sieling (2018): Unternehmenskonzentration und Lohnquote in Deutschland. Eine Analyse auf Branchenebene zwischen 2008 und 2016, Gütersloh: Bertelsmann-Stiftung, Oktober 2018

Gerhard Syben (2018): Arbeit 4.0 in Bauunternehmen. Einstellungen technischer Fachkräfte in der Bauwirtschaft zu Industrie 4.0. Working Paper Forschungsförderung Nr. 106, Düsseldorf: Hans-Böckler-Stiftung, November 2018
➞  Die deutsche Bauwirtschaft und ihre Beschäftigten sind auf dem Wege, für Planung und Organisation von Bauvorhaben die Methode des Building Information Modeling (BIM) einzuführen und damit die Digitalisierung in der Branche voranzutreiben. BIM gilt nicht nur als neue Technologie, sondern als neue Methode, mit deren Hilfe Arbeitsprozesse optimiert, effektiver gestaltet und neu zwischen Mensch und Maschine verteilt werden können. Die Auswirkungen von BIM auf Arbeitstätigkeiten, Arbeitsprozesse, Arbeitsorganisation, neue Arbeitsrollen sowie neue Kompetenzanforderungen standen bislang nicht im Zentrum der Forschung. Das vorliegende Working Paper greift die Lücke auf und skizziert explorativ die Arbeitsfolgen von BIM für das Baugewerbe.

Mario Daum (2018): Digitaler Wandel in Call- und Service-Centern. Aktuelle Trends und ihre Folgen für Arbeitsorganisation und Beschäftigte. Working Paper Forschungsförderung Nr. 102, Düsseldorf: Hans-Böckler-Stiftung, Oktober 2018

Florian Butollo, Ulrich Jürgens and Martin Krzywdzinski (2018): From Lean Production to Industrie 4.0. More Autonomy for Employees? Discussion Paper SP III 2018–303, Berlin: WZB Berlin Social Science Center, October 2018
➞  The article examines the relationship between lean production and Industrie 4.0 focusing on the question of autonomy in the work process. In contrast to the claim made by official Industrie 4.0 concepts that the autonomy of the employees would increase, we see in the current implementation projects a tendency towards greater standardization and control of work. This is in continuity with concepts of lean production, but neglects the participation-oriented elements of lean production such as teamwork and shop-floor-based improvement activities. Our argument is developed by analyzing practical examples from three relevant fields (digital assistance systems, data-based process management, modular assembly). The conclusions of this article also discuss the extent to which the concept of individual autonomy is suitable for the assessment of Industrie 4.0 concepts, given the high levels of interdependence already achieved in production processes.

Konstantin Kholodilin, Jan Philip Weber und Steffen Sebastian (2018): Die Mietwohnungsmarktregulierung der letzten 100 Jahre im internationalen Vergleich, in: DIW Wochenbericht Nr. 45/2018 ➔ PDF
➞  Die Regulierung der Wohnmietmärkte ist aus dem täglichen Leben nicht mehr wegzudenken, in Deutschland wie auch in fast allen übrigen Ländern. Die Verwerfungen an den Immobilienmärkten im vergangenen Jahrzehnt haben die gesellschaftlichen Debatten hierzu befeuert. Mieterbewegungen weltweit fordern eine Verschärfung der Regulierung und führen die Bezahlbarkeit von Wohnraum als ein zentrales Bürgerrecht ins Feld. Regulierungsskeptiker fürchten hingegen die Beeinträchtigung der Marktmechanismen durch überbordende Regulierung. Wissenschaftliche Analysen zu dieser Thematik scheiterten bislang häufig an einer unzureichenden Datenbasis. Die vorliegende Studie nimmt sich dieser Problematik an und präsentiert einen einmaligen Datensatz, über den sich die Regulierung der Mietmärkte quantitativ abbilden lässt. Die Indizes zur Messung der Regulierungsintensität liegen für 64 Länder vor und reichen mehr als 100 Jahre zurück. Der im Internet frei verfügbare Datensatz bietet damit die Möglichkeit, die Regulierungsintensitäten und -regime ländervergleichend zu untersuchen. So zeigt sich etwa, dass Deutschland im europäischen Vergleich eine relativ intensive Mietpreiskontrolle hat, die seit 2015 noch verschärft wurde. Die Auswirkungen dieser Verschärfung sollten in Zukunft durch weitere Analysen begleitet werden.

Roy van der Weide and Branko Milanovic (2018): Inequality is Bad for Growth of the Poor (but Not for That of the Rich), in: The World Bank Economic Review, 2018
➞  The paper investigates the relationship between income inequality and future income growth rates of households at different points of the income distribution. The analysis uses micro-census data from U.S. states covering the period from 1960 to 2010, and controls for exposure to imports from China and share of routine jobs, among other variables. It finds evidence that high levels of inequality reduce the income growth of the poor but, if anything, help the growth of the rich.

Franz Flögel und Stefan Gärtner (2018): Bankensysteme aus raumwirtschaftlicher Perspektive. Befunde und Handlungsbedarfe. Forschungsförderung Working Paper Nr. 99, Düsseldorf: Hans-Böckler-Stiftung, 2018
➞  Die Studie untersucht dezentrale Bankensysteme in Deutschland, Spanien und dem Vereinigten Königreich und inwieweit diese Einfluss auf die regionale Wirtschaftsentwicklung haben. Der durchgeführte Ländervergleich verdeutlicht, dass das deutsche Bankensystem am stärksten dezentralisiert ist. Dies liegt vor allem an den regionalen und gemeinwohlorientierten Sparkassen und Genossenschaftsbanken. Auch wenn das dezentrale Bankensystem in Deutschland als erfolgreich einzustufen gilt, zeigt sich gerade im internationalen Vergleich, dass ein solches Bankensystem kein Selbstläufer ist, sondern auf bestimmte institutionelle und regulatorischen Rahmenbedingen angewiesen ist.

Marius Clemens und Janine Hart (2018): EU-Zuwanderung hat das Wirtschaftswachstum in Deutschland erhöht, in: DIW Wochenbericht, Nr. 44/2018
➞  Die Zuwanderung nach Deutschland ist seit 2011 stark gestiegen, hauptsächlich durch Zuzüge von Bürgerinnen und Bürgern aus den in den Jahren 2004 und 2007 der EU beigetretenen Ländern und anderen Ländern des Euroraums. Der Abbau von Zuwanderungshindernissen und die konjunkturell bedingt gute Lage auf dem Arbeitsmarkt im Vergleich zu anderen europäischen Ländern sind die wesentlichen Gründe dafür. Modellsimulationen zeigen, dass die BIP-Wachstumsrate Deutschlands zwischen 2011 und 2016 ohne die EU-Zuwanderung um jahresdurchschnittlich rund 0,2 Prozentpunkte niedriger gewesen wäre. Es liegen aber weiterhin strukturelle Zuwanderungshindernisse vor. Auch könnte in Zukunft wegen der konjunkturellen Erholung und des demografischen Wandels in anderen EU-Ländern die Zuwanderung aus der EU nicht mehr so stark ausfallen wie bisher. Deshalb ist es wichtig, die Migrationsanreize zu stärken, unter anderem, indem Zuwanderer mehr Möglichkeiten bekommen, eine ihrer Qualifikation entsprechende Beschäftigung zu finden. Neben der EU-Zuwanderung kann es für die deutsche Wirtschaft zudem von Vorteil sein, den Arbeitsmarktzugang für Fachkräfte aus Drittstaaten zu erleichtern.