„Eine andere Meinung“ geht und ein Neuer soll kommen. Die Gewerkschaften schlagen Achim Truger für die „fünf Wirtschaftsweisen“ vor und die anderen sind not amused

Einmal im Jahr haben sie ihren kurzen Auftritt auf der großen Bühne, wenn sie der Bundesregierung ihr Jahresgutachten übergeben. Dann werden einen Moment lang die Scheinwerfer auf die „fünf Wirtschaftsweisen“ gerichtet und man berichtet meistens weniger, was die vorhersagen für das laufende und kommende Jahr (denn Prognosen der konjunkturellen Entwicklung gibt es von anderer Seite, vielfältig und auch aktueller), sondern welche wirtschafts- und seit vielen Jahren auch immer wieder sozialpolitischen Kritiken und Empfehlungen in dem neuen Jahresgutachten zu finden sind. Und wie die Politik darauf reagiert. Wobei in den vergangenen Jahren immer öfter neben allgemeinem Kopfschütteln auch offene Ablehnung von Politikern vorgetragen wurde, was die Aussagen des Rates angeht, worauf dieser mich selten mehr als verschnupft reagiert hat, weil man offensichtlich dem weisen Ratschlag so ohne Demut begegnet. Nun ist das mit Weisheit bekanntlich immer so eine Sache. Der korrekte Titel dieses Gremiums, das landauf landab als die „Wirtschaftsweisen“ tituliert wird, lautet denn auch weitaus trockener: Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung.

Im vergangenen Jahr hat Jan Willmroth in seinem Artikel Einigkeit und Streit und Weisheit über die Arbeit des Gremiums berichtet. Und das gibt es für heutige Zeiten schon ziemlich lange, man könnte gar von einer Art „katholischer“ Institution sprechen. »Der erste Rat wurde Anfang der Sechzigerjahre berufen, als Deutschland sein Wirtschaftswunder erlebte, die Konjunktur zu überhitzen drohte und die Bundesregierung ratlos war, wie dem Boom zu begegnen sei. Der damalige Wirtschaftsminister Ludwig Erhard griff Ideen aus den Fünfzigern wieder auf, ein ständiges Gremium aus Wirtschaftsfachleuten zu bilden, und ließ das in ein Gesetz gießen. Es legte fest, was der Rat zu tun hat: Die gesamtwirtschaftliche Lage im Blick behalten, auf Fehlentwicklungen hinweisen, Prognosen abgeben, Gutachten verfassen – alles im Zeichen der sozialen Marktwirtschaft.«

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