Das mit dem Bruttoinlandsprodukt gemessene Wirtschaftswachstum und seine Kritik diesseits und jenseits der Messprobleme

Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) ist nicht nur die zentrale Größe in der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung (VGR), sondern es ist zugleich ein seit Jahrzehnten immer wieder massiv in Frage gestellter Indikator – nicht nur, aber vor allem, wenn das BIP verwendet wird, um Aussagen über den „Wohlstand“ einer Gesellschaft zu machen. Das resultiert zum einen daraus, dass ein „großes“ BIP an sich noch nichts über die Verteilung auf die einzelnen Menschen bzw. Haushalte aussagt, dazu muss man sich die Streuung anschauen. Zum anderen aber auch, so viele Kritiker, weil das BIP zugleich „blind“ ist gegenüber der Frage, was (nicht) in das BIP eingeht. Immer wieder gerne zitiert werden dann Beispiele wie die das BIP steigernden Effekte zahlreicher tödlicher Autounfälle, bei denen man sicher auch den wohlstandsverringerten Aspekt sehen könnte.

Bereits in den 1970er Jahren wurde eine kritische und folgenreiche Diskussion über die Frage geführt, wie man denn Wohlstand und Lebensqualität der Menschen adäquat statistisch messen kann und darüber hinaus, ob nicht die „klassische“ Wirtschaftswachstumsfokussierung letztendlich einer selbstzerstörerische Konsequenz beinhaltet, wenn man beispielsweise die Folgen für die Umwelt berücksichtigen würde (vgl. hierzu paradigmatisch den in mehrfacher Hinsicht folgenreichen Bericht „Die Grenzen des Wachstums“: Donella H. Meadows et al.: The limits to growth – A Report for THE CLUB OF ROME’S Project on the Predicament of Mankind, New York 1972).

Man kann es sicher so sagen – es ist eine der wichtigsten Kennzahlen der Volkswirtschaftslehre. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP). An der Entwicklung dieser Größe wird das Wirtschaftswachstum festgemacht, die konjunkturelle Entwicklung bezieht sich auf die Veränderungsrate des BIP. Politiker und Journalisten schenken der Zahl die allergrößte Aufmerksamkeit. Die BIP-Werte werden immer mit (scheinbar) höchster Genauigkeit ausgewiesen, aber jeder, der sich damit beschäftigt, wie man diese Zahl aggregiert, wird zahlreiche Stellen finden, an denen man ins Grübeln kommt. Dass beispielsweise die Mieten, die an Vermieter gezahlt werden, in das BIP eingehen, leuchtet ein. Dass aber denjenigen, die im selbstgenutzten Wohnraum leben, eine fiktive Miete unterstellt wird, die sie an sich selbst zahlen und die dann ebenfalls als Euro-Betrag in das BIP aufgenommen wird, kann bei dem einen oder anderen zum Nachdenken anregen. Auch muss man sich immer wieder vor Augen führen, dass in dem scheinbar so konkreten Betrag die volkswirtschaftliche Wertschöpfung betreffend zahlreiche Schätzgrößen enthalten sind, man denke hier nur an den Bereich der Schattenwirtschaft. Insofern sollte man lieber nicht den Fehler machen, die genauen Zahlen auf die Zahl zu genau zu nehmen.

Catherine Hoffmann skizziert uns in ihrem Artikel Die Geschichte hinter der Zahl. Denn die gibt es noch gar nicht so lange, wie der eine oder andere denken mag. Das Konstrukt BIP war vor dem Zweiten Weltkrieg noch weitgehend unbekannt. Phillip Lepenies hat ein Buch zu dem Thema geschrieben: Die Macht der einen Zahl – Eine politische Geschichte des Bruttoinlandsprodukts.

Die Geschichte des BIP, so Hoffmann in ihrem Artikel, »beginnt mit dem Engländer William Petty (1623-1687). Der trug im 17. Jahrhundert Zahlen zusammen, die den „Wert der Ländereien, der Menschen, Gebäude“ eines jeden Landes erfassen sollten. Besonders interessierte er sich für Großbritannien sowie seine Nachbarn Frankreich und Holland. So versuchte Petty nachzuweisen, dass England es aufgrund seines Reichtums und seiner Ressourcen in wirtschaftlicher und militärischer Hinsicht mit den beiden feindlichen Ländern aufnehmen konnte. Pettys Arithmetik gilt als der wichtigste historische Vorläufer des BIP. Seine Zahlen waren größtenteils erfunden.« Das mit den erfundenen Zahlen wird den einen oder anderen sicher auch an aktuelle Vorgänge erinnern.

In den folgenden 250 Jahren tat sich dann nicht viel. Es gab zwar hier und da Versuche, das Nationaleinkommen einzelner Staaten zu berechnen, aber ohne großen Erfolg.

»Das änderte sich mit der Weltwirtschaftskrise 1929. Der britische Chemiker (und Ökonom) Colin Clark (1905-1989) war frustriert darüber, wie Ökonomen die Krise zu lösen versuchten – nämlich ohne volkswirtschaftliche Daten, die ihnen die Entscheidungen erleichtert hätten. Also schlug Clark im Jahr 1932 erstmals vor, sich statistisch aus drei unterschiedlichen Perspektiven der Wirtschaft zu nähern. Er wollte wissen: Wie viel wird in einer Volkswirtschaft produziert? Wie viel wird konsumiert und wie sieht es mit der Verteilung der Einkommen aus?«

Clarks Arbeiten wurde aber von der Politik nicht weiter aufgegriffen, der Impuls für das, was wir heute Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung nennen, kam von anderer Seite:
»Der entscheidende Anstoß für die Ermittlung des Volksvermögens kam fast zeitgleich vom US-Senat. Der beauftragte 1932 den Ökonomen Simon Kuznets (1901-1985) damit, ihm ein quantitatives Bild der Wirtschaftskrise zu verschaffen. Die erste Schätzung des gebürtigen Russen, beim Blick auf die Jahre 1929-1932, brachte ein aufsehenerregendes Ergebnis: Das Volkseinkommen der USA war um 50 Prozent eingebrochen. Kuznets nutzte seine in der Frühzeit der Sowjetunion gemachten Erfahrungen mit Statistik für die Kalkulation. Seine Zahlen dienten dem US-Präsidenten Franklin D. Roosevelt schon bald zur Begründung staatlicher Investitionen („New Deal“).« 1971 erhielt Kuznets für die Erfindung des Bruttoinlandsprodukts den Wirtschaftsnobelpreis.

Schon hier wird ersichtlich, dass wir es mit einer hoch politischen Zahl zu tun haben. Das Bruttosozialprodukt, heute Bruttonationaleinkommen, wurde erstmals 1942 in den USA öffentlich erwähnt. Es sollte im Krieg bei der Rüstungsplanung helfen.

Seitdem wird das BIP selbstverständlich genutzt. Aber die Zeiten ändern sich und schon lange wird diese zentrale Kennzahl der Ökonomen auch kritisch diskutiert. Vgl. dazu beispielsweise die Auseinandersetzung mit der Frage Wie lässt sich Wohlstand messen? So ist ein Zeitgespräch mehrerer Autoren im „Wirtschaftsdienst“ im Jahr 2009 überschrieben: »Die Stiglitz-Kommission hat Empfehlungen zur Weiterentwicklung der statistischen Berichterstattung vorgelegt und das Bruttoinlandsprodukt als nicht ausreichend für die Messung der Wirtschaftsleistung, der Lebensqualität und der Nachhaltigkeit bewertet. Tatsächlich gibt es auch in der Bevölkerung ein Unbehagen in Hinblick auf die amtliche Statistik. Allerdings sind Zufriedenheitsindikatoren als alternative Zielwerte für die Politik kritisch zu beurteilen.«

Zu der in dem Zitat angesprochene „Stiglitz-Kommission“: Die „Commission on the Measurement of Economic Performance and Social Progress (CMEPSP)“, nach ihren Leitern als Stiglitz-Sen-Fitoussi-Kommission bezeichnet, war eine Expertenkommission, die im Auftrag der französischen Regierung unter Nicolas Sarkozy untersuchte, mit welchen Mitteln sich Wohlstand und sozialer Fortschritt messen ließen, ohne sich einseitig nur auf Einkommensgrößen zu stützen. Die Kommission wurde im Februar 2008 gebildet und Joseph E. Stiglitz zu ihrem Vorsitzenden ernannt. Amartya Sen fungierte als wissenschaftlicher Berater, und die Koordination übernahm der französische Ökonom Jean-Paul Fitoussi. Insgesamt umfasste die Kommission 25 renommierte Wirtschafts- und Sozialwissenschaftler. Der Abschlussbericht der Kommission wurde im September 2009 vorgelegt.

Aber um diese Diskussionslinie soll es hier gar nicht gehen, sondern um einen anderen Aspekt, den Catherine Hoffmann unter der Überschrift Falsch gerechnet diskutiert: »Das Bruttoinlandsprodukt war mal das Maß aller Dinge, doch es erfasst das Tempo und die Dynamik der digitalen Wirtschaft nur schlecht – vor allem den Wert der vielen kostenlosen Daten.«

2016 schufen die Menschen und Unternehmen in diesem Land Produkte und leisteten Dienste im Wert von 3.134 Milliarden Euro. Soweit die offizielle Zahl der volkswirtschaftlichen Wertschöpfung. Aber es werden methodische Zweifel vorgetragen: »Zweifel an der Zuverlässigkeit der Messung sind angebracht. Der MIT-Ökonom und Buchautor Erik Brynjolfsson („The Second Machine Age“) kritisiert schon seit einigen Jahren, dass das BIP die Leistung einer modernen Wirtschaft nur unzuverlässig misst, weil es den Wert unentgeltlicher Leistungen wie Facebook, Wikipedia, Youtube oder der Suchmaschine Google nicht einfängt. Das Wachstum dieser Dienstleistungen und ihre große Bedeutung für viele Menschen spielen in der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung schlichtweg keine Rolle. Die Digitalisierung, glaubt Brynjolfsson, werde vom BIP systematisch unterschätzt.«

Wo genau soll das Messproblem liegen?

»Berücksichtigt wird nur, was einen Marktpreis hat. Kosten Waren und Dienstleistungen nichts, ist ihr Wert null. So geht der Nutzen zahlloser Produkte, die im Internet gratis verfügbar sind, nicht ins BIP ein. Viele dieser Dienstleistungen werden mit etwas anderem bezahlt als Geld – mit personenbezogenen Daten. Das ist der große Unterschied zu früheren technologischen Innovationen. Im Zeitalter der Digitalisierung werden Werte nicht mehr dinglich hergestellt, sie bemessen sich nicht mehr in örtlich zurechenbaren Stückzahlen von Lastwagen, Toastern oder Ziegelsteinen, sondern in Daten.«

Das hier angesprochene Grundproblem kann man also so ausdrücken: Das BIP kennt nur zwei Kategorien, Güter und Dienstleistungen, aber keine Daten.

Aber warum soll das ein Abbildungsproblem für das BIP sein, wenn dieses die Datennutzung und -bereitstellung nicht oder nur marginal erfasst? »Dass man seine Steuererklärung im Internet abgibt, die Dienstreise mit dem Handy organisiert oder die Fakten fürs Deutschreferat bei Wikipedia recherchiert, steigert das BIP nicht. Früher hätte man dafür vielleicht einen Steuerberater gebraucht, ein Reisebüro bezahlt und ein Lexikon gekauft.«

Vermutlich hat der technische Fortschritt, so wie er derzeit gemessen wird, sogar negative Auswirkungen auf das Wachstum. Geld- und Versicherungsgeschäfte, Reisen oder Job- und Wohnungssuche würden viele Menschen heute selbst im Internet erledigen. Das nimmt den klassischen Banken, Versicherungen, Reisebüros und Maklern einen Teil ihres Geschäfts weg, der dann aus dem BIP verschwindet. »Für die Messung von Produktion und Produktivität hat dies enorme Folgen, wenn statistisch nur herkömmliche Güter und Dienste erfasst werden, während die Nutzung der neuen Apps und anderer digitaler Helfer nicht in der Statistik erscheint.« Mit der Konsequenz, dass „Messfehler“ ein Grund sein könnten für das enttäuschende Produktivitätswachstum der vergangenen zehn Jahre.

Die Mängel der Größe BIP werden immer augenfälliger, so Markus Diem Meier in seinem Artikel Was misst das BIP überhaupt noch?

»Überall auf der Welt tüfteln deshalb seit langem Fachleute an alternativen Möglichkeiten, den wahren Wohlstand zu erfassen. Lange sah es danach aus, als sei das lediglich eine Spielerei für eine Handvoll Wissenschaftler und „Degrowth“-Bewegte, die nicht nur die ungeliebte BIP-Messzahl, sondern gleich das gesamte Wirtschaftswachstum abschaffen wollen. Das hat sich grundlegend geändert. Immer mehr große Organisationen distanzieren sich von ihrer über Jahrzehnte gepflegten BIP-Fixierung«, so Johannes Pennekamp in seinem Artikel Inklusives Wachstum: »Man muss Wachstum und Wohlstand neu vermessen, sagen der Internationale Währungsfonds, die OECD, die Bertelsmann-Stiftung, die EU-Kommission und die Bundesregierung. Sie sprechen jetzt von „inklusivem Wachstum“. Einem Wachstum, von dem alle etwas haben sollen – der Arbeitslose in Pirmasens wie der Banker in Frankfurt. „Wohlstand für alle“, hätten die Gründerväter der sozialen Marktwirtschaft das Konzept überschrieben.«

Nun gibt es, wie bereits erwähnt, zahlreiche Versuche, Alternativen zum BIP zu entwickeln. Selbst das Weltwirtschaftsforum (WEF), das jährlich die wichtigen und reichen Menschen nach Davos in den Schweizer Bergen einlädt, regt ein neues Modell für Wirtschaftswachstum an, um den Herausforderungen durch technologischen Wandel und Globalisierung zu begegnen. Wachstum und Reduktion der Ungleichheit müssten Hand in Hand gehen, so die postulierte Zielbestimmung des Ansatzes. »Dafür sei eine alternative Messmethode für nationale Wirtschaftsleistungen nötig, heißt es im Bericht The Inclusive Growth and Development Report 2017, den das WEF … veröffentlichte. Anstelle des Bruttoinlandprodukts soll der Inclusive Development Index (IDI) zu stehen kommen«, kann man diesem Artikel entnehmen: Kritik am BIP als Indikator für Wohlstand. »Der IDI … stuft Länder anhand von drei Grundkriterien ein. Bei Wachstum und Entwicklung fließen neben dem BIP-Wachstum auch Erwerbstätigkeit und Produktivität sowie gesunde Lebenserwartung mit ein. Beim zweiten Kriterium, der Inklusion, werden das mittlere Haushaltseinkommen, Armut sowie zwei Ungleichheitsgrößen mit einbezogen. Bei generationenübergreifender Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit schließlich werden Kohleverbrauch, öffentliche Schulden und der Grad demographischer Abhängigkeit berücksichtigt.« Bei 51 Prozent der 103 Länder, die nach diesem Muster beurteilt wurden, habe sich der Index in den letzten fünf Jahren verschlechtert. 42 Prozent der Staaten seien beim IDI zurückgefallen, obwohl sie ein BIP-Wachstum erzielt hätten, so die Befunde, die im vergangenen Jahr veröffentlicht wurden. Die neusten Ergebnisse des Indikators findet man hier: The Inclusive Development Index 2018.

Während man beim IDI den Weg der vielen anderen einschlägt, durch eine Ausdifferenzierung des Indikatoren-Sets zu differenzierteren Ergebnissen zu kommen, könnte man es ja auch mit einer neuen Philosophie versuchen – stellvertretend dafür das „Bruttonationalglück“, das Gross National Happiness (GNH), das offensichtlich in dem Himalaya-Staat Bhutan verwendet wird.

➔ 1972 hat der König von Bhutan das „Glück“ zum obersten Ziel der nationalen Politik ausgerufen. 2008 erhielt Gross National Happiness (GNH) Verfassungsrang. Der GNH Index umfasst neun Bereiche (psychologisches Wohlbefinden, die Verwendung von Zeit, die Vitalität der Gesellschaft, kulturelle Diversität, ökologische Resilienz, Lebensstandard, Gesundheit, Bildung und Good Governance) die mit Hilfe von 33 aggregierten Indikatoren messbar gemacht werden. GNH ist somit ein multidimensionales Konzept, das nicht nur subjektives Wohlbefinden und Glück umfasst, sondern umfasst auch soziale Aspekte und die Natur. 2010 wurde in einer ersten landesweiten Umfrage das Glück der Bhutanesen erhoben. Demnach waren 10,4% der Menschen “unhappy”, 47,8% “narrowly happy”, 32,6% “extensively happy”’; und 8,3% “deeply happy”. (Quelle: Bruttonationalglück in Buthan). Vgl. auch aus der Berichterstattung in der Presse über diesen Ansatz: Zentrum für Bruttonationalglück: Warum Bhutan arm aber glücklich ist.

Dem einen oder anderen wird das zu esoterisch daherkommen, also wieder zurück zu den anderen Ansätzen. Immer wieder genannt wird der in Kanada entwickelte Genuine Progress Indicator (GPI) – zu deutsch: „Echter Fortschrittsindikator“. Der GPI misst, ob das wirtschaftliche Wachstum eines Landes und die damit verbundene Mehrproduktion von Gütern und Dienstleistungen tatsächlich zu steigendem Wohlstand beziehungsweise Wohlbefinden führt. Der Unterschied zwischen dem BIP und dem GPI lässt sich mit dem Unterschied zwischen der Brutto- und der Nettobilanz eines Unternehmens vergleichen, wobei nur Letztere für die Zukunftsfähigkeit einer Firma entscheidend ist. Entsprechend liegt das Wachstum des GPI bei Null, wenn das gemessene Wachstum des BIP durch offene oder verdeckte Kosten wie Umweltschäden, Kriminalität oder abnehmende Gesundheit erzeugt worden ist. Wer mehr über das GPI erfahren möchte, kann auf dieser Website nachschauen: www.gpiatlantic.org.

Von besonderer Bedeutung in Deutschland ist der Nationale Wohlfahrtsindex (NWI).Eine grundsätzliche Darstellung, was sich hinter dem NWI verbirgt, kann man dieser Veröffentlichung entnehmen:

➔ Hans Diefenbacher, Benjamin Held, Dorothee Rodenhäuser, Roland Zieschank (2016): Wohlfahrtsmessung „Beyond GDP“ – Der Nationale Wohlfahrtsindex (NWI 2016). IMK Study Nr. 48, Düsseldorf, Juli 2016

Der Nationale Wohlfahrtsindex (NWI) steht im Kontext einer international geführten Diskussion um neue Indikatoren für gesamtgesellschaftliche Wohlfahrt. Er zielt auf einen Perspektivwechsel gegenüber dem BIP, indem er den Blick um wohlfahrtsrelevante ökonomische, ökologische und soziale Aspekte erweitert. Wie bei anderen Ansätzen auch werden beispielsweise Umweltkosten als wohlfahrtsmindernd abgezogen. Allerdings wird auch kritisch angemerkt: »Bei der Interpretation der Ergebnisse ist zu beachten, dass gerade für Umweltkosten noch erhebliche Bewertungsschwierigkeiten bestehen. Eine umfassendere Berücksichtigung besonders der Verluste biologischer Vielfalt könnte Veränderungen des Wohlfahrtsindex zur Folge haben. Unter anderem deswegen ist der NWI als „work-in-progress“ zu verstehen, bei der kontinuierlich versucht wird, den aktuellen Wissenstand einzubeziehen.« Die neuesten Ergebnisse kann man dieser Veröffentlichung entnehmen:

➔ Dorothee Rodenhäuser, Benjamin Held, Hans Diefenbacher (2018): NWI 2018 – Konsum treibt die Entwicklung des Nationalen Wohlfahrtsindex an. IMK Policy Brief, Düsseldorf: Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK), Juli 2018

Die Thematisierung der – angeblichen oder tatsächlichen – Messprobleme ist nur die eine Ausformung der Kritik am BIP als zentraler Kennzahl der VGR. Zugleich kann man die „Blindheit“ des klassischen BIP gegenüber den „guten“ und „schlechten“ Ergebnissen wirtschaftlichen Handelns als Antriebsmoment der vielen Versuche, alternative Messkonzepte zu generieren, verstehen.

Wir kommen an dieser Stelle wieder zurück zu der am Anfang des Beitrags am Beispiel des Reports „Die Grenzen des Wachstums“ bereits 1972 vorgestellten Fundamentalkritik an den Folgen des „klassischen“ und das bedeutet hier gegenüber seinen qualitativen Auswirkungen „blinden“ Wirtschaftswachstums, das in den Veränderungsraten des BIP gemessen wird. Der eine oder andere wird sich an dieser Stelle sofort erinnert fühlen an die bereits seit vielen Jahren immer wieder diskutierten Unterschiede zwischen „quantitativen“ und „qualitativen“ Wachstum. Das Grundproblem taucht auch in der aktuellen Berichterstattung  auf. Und es sind immer wieder die gleichen Kritiklinien:

»Hat das Wirtschaftswachstum ein Ende? Oder ist der Glaube von Staaten und Unternehmen an ein stetes Wachstum und ein jährlich steigendes Bruttoinlandsprodukt gerechtfertigt und sinnvoll? Dr. André Reichel, Professor für Internationales Management und Nachhaltigkeit an der International School of Management in Stuttgart, veröffentlicht in diesen Tagen mit dem Trendforscher Harry Gatterer vom Zukunftsinstitut die Studie „Next Growth: Wachstum neu denken?“ Zentrale These: Die klassische, auf Maximierung von Wachstum fixierte Ökonomie ist in schweres Fahrwasser geraten und kommt in Teilen zum Erliegen.« Das kann man diesem Artikel entnehmen: „Ernteausfälle, Hitzetote und Umweltflüchtlinge sind die Rückzahlungen, die wir leisten müssen“. Als Ausgangspunkt die Definition dessen, was wir mit dem BIP messen:

»Werden … mehr Smartphones, Psychopharmaka und Pauschalurlaube verkauft, steigt das Bruttoinlandsprodukt, die Wirtschaft wächst. Bei Unternehmen kann diese Sicht auf Wachstum am ehesten mit der Zunahme der Bruttowertschöpfung zusammengebracht werden – also der erbrachten Eigenleistung ohne Vorleistungen. In Deutschland sind das zum Beispiel bei einem Autohersteller die Entwicklung und die Endfertigung der Fahrzeuge, während die Autobatterie eine Vorleistung eines anderen Unternehmens darstellt.« Um dann zum kritischen Punkt zu kommen: »Materielles Wachstum auf einem materiell begrenzten Planeten hat natürlich Grenzen. Es ist bis heute der Trick der ökonomischen Wissenschaften, diese physikalische Binsenweisheit zu überdecken mit der Erzählung der Innovation, des Erfindergeists oder eines „grünen Wachstums“ durch Innovation und Investition in Umweltindustrien.«

Und Reichel versucht eine sozialpsychologische Erklärung für die besondere Bedeutung, die dem über das BIP und seiner Veränderung gemessenen Wirtschaftswachstum in Deutschland zugeschrieben wird: »Wir haben seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs eine Wachstumserfolgsgeschichte erlebt. Wir sind es also gewohnt, dass Wachstum geschieht und – siehe Wirtschaftswunder – dass es das Leben der Menschen verbessert. Gerade die Bundesrepublik hat das Wirtschaftswachstum aus historischer Erfahrung an die Stelle von Begriffen wie Nation oder Volk gestellt. Der wirtschaftliche Erfolg, das Wachstum und der eigene Beitrag daran waren bisher der Patriotismus der Deutschen. Einen Ersatz dafür zu finden, der positiv und in die Zukunft gerichtet ist, fällt nicht leicht.«

Reichel versucht am Beispiel eines differenzierten Blicks auf „die“ Unternehmen zu erläutern, warum man „das“ Erfordernis von Wachstum keineswegs generalisieren kann und sollte: »Bei Unternehmen kommt es drauf an, was sie für Unternehmen sind und in welchem Umfeld sie agieren. Sicherlich braucht ein Start-up eine Wachstumsphase, damit es sich stabilisieren kann. Ein etablierter Handwerksbetrieb hat vermutlich keine Wachstumsstrategie und braucht sie auch nicht. Auch viele Mittelständler haben keine klar formulierte Wachstumsstrategie. Wachstum ist da eher etwas, das passiert, weil man erfolgreich ist. Und Unternehmen schrumpfen manchmal auch, weil der Markt schrumpft, auf dem man tätig ist. Die Wachstumserzählung ist vor allem eine der Großunternehmen.«

»Das Wirtschaftswachstum ist die unhinterfragte Conditio-sine-qua-non-Formel. Wie Angela Merkel es vor 15 Jahren einmal ausdrückte: Ohne Wachstum ist alles nichts.«

Reichel wird natürlich auf gefragt, wie man dem „Wachstumsgefängnis“ entkommen kann. Sein Antwortversuch:

»Der einfachste Weg ist ein dauerhaftes Ausbleiben von Wachstum aufgrund ökologischer und ökonomischer Begrenzungen – siehe Klimawandel, die Finanz- und Wirtschaftskrise von 2008. Also durch Krisen. Das ist kein angenehmer Weg, aber aus der Geschichte wissen wir, dass große gesellschaftliche Veränderungen meist durch Krisen ausgelöst werden. Der schwierigere Weg ist durch eine behutsame Entkopplung von Lebensqualität und Wachstum, durch einen Umbau der sozialen Sicherungssysteme in Richtung weniger Wachstumsabhängigkeit und, schlimmes Wort, einen Wertewandel, bei dem Wachstum nicht mehr wirtschaftlich gedacht wird, sondern einen Zuwachs an Wissen, Erfahrung, Freude, Freundschaft, Zufriedenheit bedeutet.
Mit der Postwachstumsökonomie gibt es einen ganzen Strauß an Konzepten, wie so eine neue Welt jenseits alter Wachstumszwänge aussehen kann. Da sind sicherlich keine Patentrezepte für alle unsere Probleme dabei, aber einige Grundüberzeugungen weisen in die richtige Richtung: nicht alles dem Markt oder dem Staat überlassen, sondern den dritten Sektor, die Zivilgesellschaft stärken; lokale Wirtschaftskreisläufe ermöglichen; Steuern auf sozial und ökologisch schädliches Verhalten erhöhen und auf erwünschtes Verhalten senken; alternative Berechnungsformen des Wohlstands in Staat und Wirtschaft einführen; soziale Sicherungssysteme vom Wachstum unabhängiger machen durch Umsteuern von Besteuerung auf Arbeitseinkommen in Richtung Vermögen und Umweltverbräuche; und ganz wichtig: nicht automatisch nach mehr Markt oder mehr Staat rufen, sondern die Menschen und ihre Gemeinschaften in den Vordergrund stellen.« Zum bunten Strauß dessen, was manche mit einer „Postwachstumsökonomie“ verbinden, vgl. die Beiträge beispielsweise auf dieser Seite: www.postwachstumsoekonomie.de.

Unabhängig davon, ob man diese andere Ausrichtung nachvollziehen kann oder das lieber nicht möchte, stellt sich die Frage, wie man denn das bewerkstelligen könnte. Dazu dieses Interview mit Uwe Scheidewind, der seit 2010 Präsident des Wuppertal-Instituts für Klima, Umwelt, Energie ist: „Alleine wird grünes Wachstum nicht reichen“: »Uwe Schneidewind sagt: Um die große Öko-Krise in diesem Jahrhundert noch zu verhindern, reicht es nicht, Solarstrom zu produzieren, E-Autos zu fahren und den Abfall besser zu trennen. Es braucht eine radikale Transformation, die alle Lebensbereiche erfasst.« Denjenigen, die argumentieren, dass es Deutschland doch „noch nie sogst ging wie heute“, entgegnet Schneidewind: »Deutschlands derzeit noch gute ökonomische Lage basiert auf seiner Sonderstellung als erfolgreiche Exportnation. Aber diese ist vielfältig bedroht – durch Handelseinschränkungen im Zuge von Trumps Handelspolitik, die unsichere Zukunft der EU oder wachsenden Druck auf Schlüsselbranchen wie die Autoindustrie, wo Deutschland den Anschluss bei der Elektromobilität zu verlieren droht. Zudem besteht die Gefahr einer weiteren Polarisierung der Gesellschaft. Und ökologisch gibt es ebenfalls große Probleme – so verfehlt Deutschland seine selbst gesteckten Klimaziele erheblich, es hat seine Vorreiterrolle verloren.«

Gerade zum letzten Punkt: Wissenschaftler haben insgesamt neun planetare Leitplanken definiert, die nicht überschritten werden dürfen – unter anderem für das Klima, die Artenvielfalt und den Stickstoffkreislauf. Bei den meisten davon ist das bereits geschehen. Dazu Schneidewind: »Dass wir diese Leitplanken heute so klar vor uns sehen und sie von der Weltgemeinschaft anerkannt sind, ist erst einmal ein gewaltiger Zivilisationserfolg von Nachhaltigkeitswissenschaft und -politik in den vergangenen 25 Jahren. Politisch drückt sich das unter anderem in den 2015 von über 190 Staaten unterzeichneten „Nachhaltigen Entwicklungszielen“ der Vereinten Nationen, der sogenannten Agenda 2030, aus.« Und er formuliert eine Hoffnung: »Wir können heute Öko-Strom günstiger als fossilen Strom erzeugen, die technologischen Optionen und Stadtplanungskonzepte für einen klimagerechten Verkehr liegen vor, unsere Gebäude und Städte können wir weitgehend klimaneutral und kreislaufgerecht bauen. Es geht jetzt darum, die Potenziale politisch und ökonomisch „auf die Straße“ zu bringen.«

Natürlich kommen an solchen Stellen immer die berechtigten Fragen, wer denn das wie machen soll. »Wir müssen die Experimentierräume für soziale und institutionelle Reformen vergrößern – zum Beispiel durch ein Grundeinkommen, neue Unternehmensformen und das Schaffen von nicht kommerziellen Orten in unseren Städten wie öffentliche Parks, urbane Gärten oder Begegnungszentren. Die dort entstehenden guten Beispiele werden dann die Basis für umfassendere Reformen bilden«, so Schneidewind im Interview. »Das vergrößert den Raum für eine mutige Politik, die verbesserte Rahmenbedingungen für das Entstehen von Alternativen schafft – für autoarme und lebenswerte Städte, für eine umfassende Energiewende, für ressourcenarme und kreislaufgerechte Wirtschaftsformen. Eine solche Bewegung verstärkt sich, je mehr Unternehmen zeigen, was heute in Richtung eines nachhaltigen Wirtschaftens schon möglich ist … Und sie verstärkt sich auch durch eine Wissenschaft, die sich als „Möglichkeitswissenschaft“ versteht und nicht nur technologische, sondern insbesondere auch gesellschaftliche, ökonomische und institutionelle Alternativen für die politische Gestaltung aufzeigt.« Wie er sich das alles genauer vorstellt, kann hier nicht wirklich entfaltet werden – dazu sei auf eine neue Buchveröffentlichung verwiesen: Uwe Schneidewind: Die Große Transformation, Eine Einführung in die Kunst des gesellschaftlichen Wandels, 2018.

Für diejenigen besonders interessant ist die Infragestellung eines zentralen Glaubenssatzes der bisherigen Transformations-Ökonomie, für die Schneidewinds Vorvorgänger in Wuppertal, Ernst Ulrich von Weizsäcker, stand: Die Effizienzrevolution wird Wachstum bei geringerem Umweltverbrauch bringen – gebündelt in dem Motto: „Doppelter Wohlstand, halbierter Umweltverbrauch“. Dazu Schneidewind:

»Die Effizienzrevolution bleibt ein wichtiger Baustein des Umsteuerns. Hier ist viel passiert. Und gleichzeitig sehen wir heute klarer, dass höhere Effizienz auch den Mehrverbrauch von Ressourcen treibt: Unsere effizienteren Motoren haben die schweren und PS-starken Autos von heute erst ermöglicht … Es braucht das, was wir die „doppelte Entkopplung“ nennen. Wir müssen nicht nur über mehr Effizienz, sondern auch über neue Wohlstandsmodelle reden, die Lebensqualität vom rein materiellen Wachstum trennen. Und dies ist durchaus möglich – beim Umweltschutz, bei lebenswerten und sozial integrierten Städten, selbst beim Gesundheits- und Bildungssystem. Hier ist hohe Qualität weitgehend unabhängig von einem steigenden Bruttosozialprodukt zu erzeugen.« Wobei, diese Anmerkung sei erlaubt und ist im Jahr 2018 nun keine semantische Nickeligkeit: Das Bruttosozialprodukt ist nun schon lange in der Mottenkiste der Begriffsgeschichte abgeheftet worden – man spricht seit langem vom Bruttonationaleinkommen.

Und dann der hier zentrale Satz: »Alle Erfahrungen der vergangenen 20 Jahre zeigen: Alleine wird „grünes Wachstum“ nicht reichen. Es bedarf auch eines neuen Verständnisses von Wohlstand. Die materielle Seite dieses Wohlstandes muss dann ökologisch effizient produziert werden.«

Apropos „ökologisch effizient produziert werden“ – das schreibt sich leichter als es denn realisierbar ist. Dazu ein Beispiel aus einer nicht nur aktuell, sondern fundamental bedeutsamen Veränderung in der Art und Weise der Produktion von Autos: Überall heißt es, dass die bisherige Antriebstechnologie der Autos und die damit verbundene Nutzung fossiler Energiequellen wie dem Erdöl von gestern sei und nun durch die Elektromobilität ersetzt werden muss. Aber auch und gerade bei dieser neuen Technologie gibt es erhebliche Probleme in dem hier interessierenden Kontext: Verkehrswende mit Schattenseiten, so hat Rainer Balcerowiak seinen Artikel dazu überschrieben: »Der zügige Ausbau der Elektromobilität gilt als Schlüsseltechnologie für eine ökologische Verkehrswende und die Erreichung der Klimaziele. Doch entwicklungspolitische und Umweltorganisationen warnen vor einer blauäugigen Sichtweise auf die allmähliche Abkehr von Verbrennungsmotoren. Zwar hätten batteriebetriebene Pkw und Nutzfahrzeuge einen deutlichen und unverzichtbaren Effekt bei der Reduzierung gesundheits- und klimaschädlicher Emissionen, dennoch sei die Umwelt- und Energiebilanz dieser neuen Fahrzeuggeneration »äußerst problematisch« erklärte Michael Reckordt vom ökologischen Energie- und Wirtschaftsverein Powershift … bei einem Fachgespräch in Berlin.«

Was genau damit gemeint ist, kann man diesen Erläuterungen entnehmen:

»Denn für Batterien und für die zunehmende Digitalisierung werden dem Experten zufolge bislang unvorstellbare Mengen an Rohstoffen gebraucht, die »oftmals unter katastrophalen menschenrechtlichen, ökologischen und sozialen Bedingungen in Ländern des globalen Südens abgebaut werden«. Das betrifft vor allem Kobalt, Lithium und Nickel, aber auch Kupfer und Seltene Erden.

So führt der vermehrte Abbau von Lithium in Chile – einem der größten Produzenten – schon jetzt zur Verkarstung ganzer Regionen und damit zur Vernichtung der Existenzgrundlage für dort von der Landwirtschaft lebende Menschen. Für die Herstellung einer Tonne verwertungsfähigen Lithiums werden rund zwei Millionen Liter Wasser benötigt, die aus tiefen Brunnen gepumpt werden, was den Grundwasserspiegel kontinuierlich absinken lässt. Dennoch werden immer neue Abbaulizenzen erteilt, da der weltweite Bedarf an Lithium in den kommenden 30 Jahren um bis zu 50 Prozent steigen könnte.

In der Demokratischen Republik Kongo, die über die weltweit größten Kobaltvorkommen verfügt und derzeit 58 Prozent des Weltverbrauchs abdeckt, sind es neben den Umweltauswirkungen vor allem die katastrophalen Arbeitsbedingungen der Schürfer, die den Organisationen ein Dorn im Auge sind. Oftmals sind sowohl Kinderarbeit als auch schrankenlose Ausbeutung und Unterdrückung der Arbeiter an der Tagesordnung. Die kirchlichen Hilfswerke Misereor und Brot für die Welt fordern sowohl verbindliche internationale Standards für Umwelt- und Arbeitsbedingungen als auch Verpflichtungen für in diesen Sektoren tätige Konzerne auf nationaler Ebene. Jedoch können wichtige Akteure, wie die vor allem in Afrika massiv im Rohstoffsektor expandierenden chinesischen Staatskonzerne, dabei kaum erfasst werden.«

Aber man kann und muss nicht über den Globus streifen, sondern auch vor der eigenen Haustür kehren: »Bei einer flächendeckenden Umrüstung würde der Stromverbrauch Größenordnungen erreichen, die außerhalb jeglicher Vorstellungskraft lägen.« Bedeutet: Nur ein einfacher Austausch der Antriebstechnologie wird die zahlreichen Folgeprobleme nicht verringern, sondern wenn, dann verlagern. Was in der Konsequenz aber auch bedeutet: »ohne massive Eingriffe in die individuelle Automobilität werde es nicht gehen.« Man ahnt die sich am Horizont abzeichnenden Konflikte gerade in einer automobilen Gesellschaft – gegen die das, was wir derzeit im Umfeld vom angeblichen und mehr als fragwürdigen „Dieselgate“ in Deutschland erleben.